Was ist Lean Production und wie macht es Dich erfolgreich

Was ist Lean Production und wie macht es Dich erfolgreich?

Hin und wieder soll ich erklären: Was ist Lean Production und warum ist es so wichtig? Wo kommt es her, was bedeutet es und vor allem: was bringt es. Eine super Gelegenheit, meine Kompetenz so richtig zur Schau zu stellen, nicht wahr?

Von wegen! In Wahrheit ist es gar nicht so leicht, dieses komplexe Thema so zu beschreiben, dass der Nutzen von Lean sofort klar wird. Zumindest, ohne dass einem die Leute wegschlafen.

Daher beantworte ich Dir hier die Frage: „Was ist Lean Production und wie macht es Dich erfolgreich?“

Bevor ich auf den messbaren, potentiellen Nutzen in Zahlen zu sprechen komme, möchte ich Dir ein paar wichtige Grundlagen mit auf den Weg geben. Wir können hier gerne von der Lean Philosophie sprechen, zumindest einem wichtigen Teil davon. Damit es nicht so esoterisch klingt (damit kommen einige Menschen nicht so recht klar), kannst Du es auch das zugrundeliegenden Lean Konzept nennen.

Auf jeden Fall findest Du den Teil, der die Kennzahlen betrifft in einem folgenden Artikel. Dort erkläre ich, wie das Lean Konzept positiven Einfluss auf die Ergebnisse Deiner Firma nimmt.

 

Wie entstand Lean Production?

Woher kommt der Begriff?

Obwohl die Ideen und Konzepte aus Japan stammen, wurde der Begriff Lean Production in den USA geprägt. Er stammt aus einem Artikel des MIT Sloan Management Review von John F. Krafcik mit dem Titel „Triumph of the Lean Production System“ (MIT = Massachusetts Institute of Technology). Dieser Artikel wurde 1988 veröffentlicht und ist sogar frei verfügbar.

Wirklich bekannt wurde der Begriff jedoch mit dem, aus 1990 stammendem, Buch „Die zweite Revolution in der Automobilindustrie“. Dieses basiert auf einer Studie des MIT, die über 50 japanische, amerikanische und europäische Automobilhersteller verglich. Die Autoren James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos fassten die Ergebnisse dieser Studie zusammen.

Japanische Hersteller zeigten dabei durchweg deutlich bessere Ergebnisse in der Produktivität, Qualität und Durchlaufzeit. Die Konkurrenz in den USA schnitt bedeutend schlechter ab. Und von den Europäern reden wir besser gar nicht erst.

Den Grund für diese Unterschiede machten die Autoren an Lean Production, bzw. der sogenannten „Schlanken Produktion“ fest.

 

Wer hat es erfunden?

Nein, nicht die Schweizer! Es waren die Japaner! Genaugenommen entstand die Idee zu Lean durch eine Studienreise von Taiichi Ohno und Eiji Toyoda, dem Cousin des Firmengründers der Toyota Motor Corporation, Kiichirō Toyoda. Anfang der 1950er Jahre besuchten sie das Ford Werk River Rough in Dearborn, in dem das berühmte Model T gefertigt wurde.

Die Fertigung war dort, aufgrund der Fließbandfertigung, in viele hintereinander folgende Prozessschritte aufgeteilt. Damit diese Schritte reibungslos ablaufen konnten, wurden bereits standardisierte Fertigungsprozesse benutzt. Dadurch war es möglich Lagerbestände und Durchlaufzeiten deutlich zu verringern.

Zu Zeiten des berühmten Ford Model T, das es bekanntlich in allen Farben gab, solange diese schwarz seien, konnten die positiven Effekte des, von Henry Ford erfundenen, Fließbandes voll ausgeschöpft werden. Jedoch wandelten sich die Kundenwünsche hin zu mehr Variantenvielfalt

Nun offenbarte sich der Nachteil des bisherigen Ford’schen Konzepts, durch die Inflexibilität der Produktionslinien, wenn es um die Herstellung von Varianten ging. Dazu mussten die Maschinen immer schneller produzieren, um den Stillstand während der Rüstzeiten auszugleichen. Dadurch stiegen die Bestände und Durchlaufzeiten wieder an.

Ohno und Toyoda nutzen die Erkenntnisse und entwickelten ein System, das kurze Durchlaufzeiten und eine große Anzahl von Varianten zulässt: Das Toyota Produktionssystem. Oder wie es John Krafcik nannte: Lean Production.

 

Was ist Lean Production?

Aber was genau steckt hinter diesem System, was macht es aus? Ganz oft wird mir diese Frage gestellt, um hinter das Geheimnis des Lean Erfolgs zu kommen. Tatsächlich  brauchst Du „nur“ zwei Dinge berücksichtigen. Also, was ist Lean Production? Fluss und Kaizen!

 

Stelle einen Fluss her

Im Grunde heißt „Fluss“, dass ein einmal in die Fertigung gebrachtes Teil entweder schnellstmöglich bearbeitet wird oder gerade auf dem kürzesten Weg zur nächsten Bearbeitung ist. Wirklich ALLES andere ist Verschwendung oder, wie es die Japaner nennen würden, Muda.

Die Definition klingt sehr banal. Daher gebe ich Dir ein paar Beispiele, die zeigen, dass sie wirklich funktioniert.

  • Ein fehlerhaftes Teil wurde entdeckt > Es wird für eine Reparatur gestoppt > Fluss gestört!
  • Die Bearbeitung eines Teil ist fertig, aber der Folgeprozess kann es noch nicht Weiterbearbeiten > Das Teil wird zwischen den Prozesses gelagert > Fluss gestört!
  • Ein Teil ist soweit fertiggestellt, das nur noch ein fehlendes Kaufteil angebracht werden muss > Es wird zur Seite gestellt, bis das Kaufteil vorhanden ist > Fluss gestört!
  • Die Maschine des Folgeprozesses ist nicht bereit, da sie noch gerüstet wird > Das Teil wartet bis das Rüsten beendet wurde > Fluss gestört!
  • Die nächste Maschine in der Arbeitsstation ist nicht bereit, da sie noch läuft > Das Teil wartet bis die Maschine fertig ist > Fluss gestört!
  • Ein fertiges Teil darf noch nicht zum Kunden geschickt werden, da er dieses nicht vor dem Liefertermin benötigt > Es wird im Versandbereich abgestellt > Fluss gestört!
  • Ein Teil kann nicht bearbeitet werden, da der Mitarbeiter mit dem benötigten Spezialwissen krank ist > Das Teil bleibt vor dem Prozess stehen, bis der Mitarbeiter wieder da ist > Fluss gestört

Während ich das hier schreibe, erinnere ich mich an einige Situationen aus meiner beruflichen Vergangenheit, bei denen ich nicht erkannt habe, wo es im Produktionsablauf Probleme gab. Hätte ich mehr auf den stockenden Fluss geachtet, wären mir diese Probleme sofort aufgefallen.

 

 

Binde Mitarbeiter ein, indem Du Kaizen nutzt

Neben dem Fluss benötigst Du Deine Mitarbeiter. Mach sie für die nötigen Veränderungen verantwortlich, indem Du Kaizen nutzt.

Der Begriff Kaizen ist Japanisch und bedeutet in etwa „Veränderung (Kai) zum Besseren (Zen)“. Im Zusammenhang mit Lean meint „Kaizen“ aber nicht nur Veränderung, sondern ständige Verbesserung in kleinen Schritten.

Es geht also darum, die Kollegen zu motivieren, Verbesserungsideen für ihren Arbeitsprozess zu entwickeln und diese gleich umzusetzen. Sie sollen vor allem die Dinge verändern, die bei Ihrer täglichen Arbeit stören. Wenn alle Mitarbeiter einer Firma täglich kleine Kaizen Workshops machen, können sie eine riesige Verbesserung bewirken.

Gleichzeitig entwickelst Du damit die Menschen zu Prozessverbesserern, die ihre Problemursachen immer einfacher entdecken und abstellen. Diese Investition in Deine Mitarbeiter wird dazu führen, dass der Fluss immer schneller und reibungsloser abläuft. Die aufgewendeten Ressourcen, die für die Veränderungen nötig waren, sind so schnell wieder reingeholt.

Das ein oder andere Mal haben Firmen davor zurückgeschreckt, meine Empfehlung umzusetzen, ihre Mitarbeiter so zu trainieren. Meistens war die Begründung, dass in der Vergangenheit die Personen, die eine gute Schulung erhielten, von anderen Firmen abgeworben wurden.

Wenn Du jetzt auch befürchtest, Deine Kollegen nehmen die Kaizen-Erfahrung mit und schauen sich dann anderweitig um, möchte ich Dir ein Zitat von Richard Branson mit auf den Weg geben:

„Trainiere Leute so gut, dass sie gehen könnten. Behandle sie so gut, dass sie es nicht wollen.“

 

Fluss und Kaizen sind der Kern jeder Lean Strategie

Der Fluss für sich allein, ist nur ein gewünschter Zustand. Kaizen ohne Fluss ist wie ein Weg ohne Ziel. Ohne einander sind beide Dinge wenig zielführend, nur zusammen sind sie der Weg, um Deine Firma Lean zu machen.

Und das schöne ist, dass Du Fluss und Kaizen nicht nur in der Fertigung anwenden kannst. Auch im Büro funktioniert das Konzept. Nur, dass Du in diesem Fall keine physische Teile und Bearbeitungen sehen kannst. Hier geht es um Informationen. Das macht es so schwer, den wahren Fluss und seine Probleme zu erkennen.

Neben diesen beiden Dingen existiert eine Vielzahl von Methoden (gerne auch Techniken, Werkzeuge o.ä. genannt), die in der Lean Production Welt verwendet werden. Benutze diese Methoden in Deinen Kaizen Workshops, um den Fluss zu verbessern oder vorab, um Probleme und Ursachen zu analysieren.

Hier gebe ich Dir eine Auswahl der Methoden:

  • Just In Time (JIT)
  • 5x Warum Analyse
  • Single Minute Exchange of Dies (SMED)
  • 5S
  • Visuelle Fabrik
  • Poka Yoke
  • Kanban
  • Total Productive Maintenance (TPM)
  • Overall Equipment Effectiveness (OEE)
  • Value Stream Mapping (VSM)
  • Heijunka
  • Hoshin Kanri
  • KPI
  • Standard Arbeit

Zusammengefasst: Lean Production ist die Anwendung von Kaizen, um einen ununterbrochenen Fluss herzustellen.

 

Ist Fluss das Gleiche wie Fließfertigung?

Als ich vor kurzem in der Produktion darüber sprach, dass das Material nicht richtig fließen würde, bekam zu hören: „Wie haben hier keine Fließfertigung! Wir sind ja schließlich nicht in der Automobilindustrie.“

Gut, dort wo ich zu diesem Zeitpunkt war, werden sehr kundenspezifische Produkte hergestellt. An einen getakteten Fluss oder gar ein Fließband habe ich überhaupt nicht gedacht. Trotzdem hab ich erstmal dumm aus der Wäsche geschaut, da mir nie in den Sinn gekommen wäre, Fluss mit Fließfertigung zu vergleichen.

Grob vereinfacht spricht man von Fließfertigung, wenn die Herstellung in mehreren Arbeitsstationen und in einer abgestimmten Reihenfolge geschieht. Sind die einzelnen Prozesszeiten zusätzlich durch ein Fließband miteinander synchronisiert, ist es die Unterart Fließbandfertigung. Ansonsten handelt es sich um die Reihenfertigung. Gibt es keine Aufteilung in Arbeitsstationen, ist es eine Werkstattfertigung.

Jetzt gibt es ein Totschlag-Argument weniger, dass Dich und mich aus dem Konzept bringen kann!

 

Die Vorteile einer schnell fließenden Produktion

Einen schnellen Fluss kannst Du nur erzeugen, indem nur die wirklich notwendigen Dinge getan werden, um ein Produkt herzustellen. Jegliche Tätigkeiten, die der Kunde eigentlich nicht zahlen möchte (wie z.B. Materialtransport, Beseitigung von Defekten, Lagerbestände usw.) musst Du dafür abstellen.

Insgesamt verkürzt Du die gesamte Durchlaufzeit eines Produktes. Dadurch steigt die Lagerumschlaghäufigkeit, was die Lagerkosten senkt. Zusätzlich sinken die Kosten aufgrund von Nacharbeit und Schrott, da die Prozesse weniger davon produzieren.

Aber vor allem verkürzt Du die Zeit zwischen den Zahlungen an deine Lieferanten und der Zahlung deines Kunden an Deine Firma. Im Idealfall zahlt Dein Kunde, bevor Du Deine Lieferanten bezahlen musst.

Im Grunde werden alle Kennzahlen verbessert, wenn Du Lean Production konsequent anwendest.

 

Fazit

Wenn Du etwas über die vielen Lean Techniken hörst, dann denk immer daran, dass sie nur dafür da sind, um den bestmöglichen Fluss herzustellen. Sie sind also Mittel zum Zweck. Setz sie also nur dann ein, wenn sie Sinn machen und Dir helfen. Und nicht, weil sie Hipp sind oder jemand sagt, dass man diese oder jene Technik unbedingt benötigt.

Das vielleicht wichtigste ist jedoch, dass Du und Deine Kollegen irgendwo beginnt den Fluss zu verbessern. Beseitige eine Störung, in dem Du einen Kaizen Workshop machst.

Was ist Lean Production? Diese Frage kannst Du jetzt gut beantworten!

Welche Erfahrungen hast Du mit der Lean Production Philosophie gemacht? Und nutzt Du auch die Vorteile, die die Fokussierung auf den Fluss hervorbringt?

 

 

Photo by Andhika Soreng on unsplash

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